Aktuelles

Wir möchten Sie über Veranstaltungen oder Ausstellungen informieren und auf neue Ergebnisse unserer Arbeit hinweisen. Im Rückblick finden Sie diese in unserem Unterordner Ausstellungen und Events und im Ordner Resonanz.

Unter dem Vorzeichen der Corona-Pandemie haben wir im Jahr 2020 das eine oder andere Vorhaben zurückgestellt. Eine Ausstellung und ein Workshop auf der für den Mai 2020 geplanten Jahrestagung der Gefängnisseelsorger mussten leider abgesagt werden.

Umso mehr freuen wir uns, im Herbst 2020 auf ein großes Musikprojekt hinweisen zu dürfen, das aus einer langjährigen Zusammenarbeit mit Prof. Walter Nußbaum in Heidelberg und mit Prof. Clemens Gadenstätter in Wien entstanden ist und auf der gemeinsam 2014 formulierten Idee basierte, Klingebiels Geschichte in Musik zu transformieren. Historische Hintergründe und Quellenmaterialien des Projektes sind in die Konzeption eingeflossen, und wir können bei den meisten Konzertterminen die fotografische Replik der Klingebiel-Zelle zeigen.

Was erwartet Sie?

 

Das international renommierte KlangForum Heidelberg bringt trotz schwieriger Rahmenbedingungen seine Konzertreise mit dem Titel "eingesperrt" zum Klingen.

Drei Werke sind am 24.10.2020 um 20:00 in Heidelberg an der Lutherkirche zur Uraufführung gekommen.


Unter Leitung von Walter Nußbaum lassen die SCHOLA HEIDELBERG | ensemble aisthesis

eine Komposition des Wiener Komponisten Clemens Gadenstätter ein Werk erklingen, in deren Mittelpunkt das Leben und Werk von Julius Klingebiel steht:

"die zelle" (UA) (2020)

Weiter sind zu hören

"Saving Faces" (UA) (2020), ein Werk der taiwanesisch-amerikanischen Komponistin Yu-hui Chang

" 空间/距离  Raum/Distanz (UA) (2020) von Ye Shen aus Shanghai.

Die weiteren Aufführungen:

am 25.10.2020 um 20:00 am ZKM Karlsruhe

am 26.10.2020 um 20:00 in Göttingen, Lokhalle

am 27.10.2020 um 18:30 im Sprengel Museum Hannover

am 28.10.2020 um 20:00 in Oldenburg, Theater Wrede +

In Kooperation mit dem KlangForum konnten wir unsere fotografische Replik der Klingebielzelle am 26.10.2020 in Göttingen ausstellen.

Karten können ab sofort im Ticketshop des KlangForums gebucht werden.

Aus der Ankündigung:

Unser Projekt "EINGESPERRT" widmet sich zum einen Teil dem Schicksal eines gesellschaftlichen Außenseiters: Der deutsche Künstler Julius Klingebiel (1904-1965) war ein „Anderer“, ein als krank Ausgegrenzter. Er litt an paranoider Schizophrenie und wurde deshalb ab 1939 in mehrere Nervenkliniken eingewiesen, später war er Patient im Landeskrankenhaus Göttingen. Klingebiel galt als unheilbar, wurde nach dem NS- Erbgesundheitsgesetz zwangssterilisiert, überlebte aber sogar die NS-Tötungsaktionen. Ab 1951 bemalte er alle Wände seiner Zelle im Verwahrungshaus Göttingen. Die „Klingebiel-Zelle“ gilt heute als solitäres Werk der Art Brut. ...

Zwei asiatische Kompositionen der Gegenwart, deren Ausgangspunkte schon geographisch nicht weiter auseinander liegen könnten, verbinden sich im Programm EINGESPERRT (nicht zuletzt dank der gegenseitigen Kontextualisierung mit Clemens Gadenstätters Klingebiel-Werk) zu einem ebenso vielschichtigen wie sinnlichen musikphilosophischen Diskurs über die persönliche Freiheit.
Dass diese Freiheit - wie im Falle der Uraufführung eines Auftragswerks von Ye Shen (*1977) aus Shanghai, vertonten chinesischen Dichters Hai-zi (1964-1989) zwar zu reichem Kunstschaffen, aber auch in den Suizid geführt hat, bezeichnet die psychologische Komplexität dieser Thematik.
Den nach außen gewendeten und von außen instrumentalisierten Blick thematisiert die taiwanesisch-amerikanische Komponisten Yu-hui Chang (*1970) in ihrer Auftragskomposition für Stimmen und Instrumente, über die Rolle der Künstlichen Intelligenz und Facial Recognition (Gesichtserkennung) und ihrer Wirkung auf das Individuum: das eigene Gesicht als Maske und als Gefängnis.

 

Die Veranstaltungen wurden und werden unter den jeweiligen lokalen Vorgaben der Behörden und den lokalen Hygienekonzepten durchgeführt.

Ein erster Eindruck von dem Göttinger Konzert am 26.10.2020 (ASp):

Mit den Kompositionen von Yu-hui Chang und Ye Shen führten Walter Nußbaum und seine Sänger*innen und Instrumentalisten die Hörer in eine vielfarbige Klangwelt. Vertraute und fremde Stimmen, Geräusche, instrumentae Klänge führten in spannende, lebendige Hörerlebnisse. Das noch größer angelegte Werk über Julius Klingebiel erweiterte dies im Anschluss - in Anwesenheit des Komponisten Clemens Gadenstätter - zu einer Reise mit unbekanntem Ziel. Gerahmt durch klare Worte, die zu Beginn und zum Schluß auf die Biografie des Künstlers und Patienten eingingen, unterlegt durch ein komplexes Gewebe von Gesang, Sprache, Atem, Geräuschen, Rhythmen, kurzen akustischen Zitaten entfaltete sich ein akustisches Panorama. Es ging auf eine Reise mit unbekanntem Ziel. Die Innenwelt eines psychotischen Erlebens rückte näher, Aufruhr, Erschöpfung, gelegentliche Ruhe wurden fühlbar. Dies wirkte oft bekannt, vertraut, zugleich fremd, wie in einer fremden Sprache verschlüsselt. Hinter der subtilen und virtuosen Abstimmung aller Musizierenden war eine lebendige Poesie in dem von Lisa Spalt eingebrachten Libretto zu erahnen. Der riesige Raum der dunklen Lokhalle Göttingen war erfüllt, jeder Ton präsent. Ein großes Erlebnis.

Wir werden in Kürze Rezensionen und Berichte hinterlegen und die Konzertreihe später in unserem Ordner Resonanz / Medienecho und Projekt / Partner dokumentieren und hoffen auf eine Möglichkeit, das Konzert als Video oder als CD nachzuerleben.

                   

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